A brief note on Fichte´s early foundationalism Juan A. Bonaccini Federal University of Rio Grande do Norte, Natal, Brazil atca@terra.com.br Abstract: The Fichtean strategy in his Concerning the Concept of the Doctrine of Science (1794) is analysed and interpreted as being formulated against a certain kind of modern Skepticism. Yet the possibility of considering the so-called Begriffschrift as maintaining a pragmatic line of argument is denied. Contrary to the argument proposed by Rockmore, it is defended the thesis that Fichte would have been actually commited with the purpose of an ultimate foundation of one and the same fundamental first principle. This point would have been carry out by means of an indirect proof intended to refute in a very original way objections initially raised against Kantian Transcendental Philosophy by Maimon, Schulze and others. The sole fact, it is argued, that Fichte did not view this last principle as demonstrable is not sufficient to consider Fichte´s strategy as a pragmatist one. Eine kurze Anmerkung zum Problem einer Letzbegründung beim frühen Fichte Juan A. Bonaccini (Universitaet Natal, Brasilien) atca@terra.com.br Die sogenannte ,,Begriffsschrift"1, die von Fichte zwischen 1793 und 1794 als Programm seines Systems zum Unterrichten niedergeschrieben worden, macht --zusammen mit den Eignen Meditationen über Elementar-Philosophie (1793) und der Recension des Aenesidemus (1794)-- sowohl den Anfang von Fichteschen Überlegungen über die Art und Weise des Philosophierens als auch die ersten Schritte zur Wissenschaftslehre2 aus. Trotzdem hat diesen frühen Text nicht viele Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Manchmal wird zitiert, aber nur wenige Forscher scheinen an die Begriffsschrift selbst interessiert zu sein. Es ist alltäglich geworden, diesen Text lediglich en passant zu nennen und dann schnell zur Analyse der Grundlage, der Nova Methodo und anderer späteren Texte fortzuschreiten. Ich möchte hierin gerade deshalb auf den Charakter von diesem meist übersehenen Text reflektieren, damit sich die Originalität und Relevanz Fichtes zur wichtigen Behandlung der Letzbegründungsproblematik erweisen lässt. Ich habe dennoch nicht vor, die zeitgenössische Diskussion zwischen Vertreter und Gegner einer Letzbegründung mit der Position des frühen Fichtes zu vergleichen3. Noch nicht einmal ein tiefgehendes Kommentar dazu darzustellen. Meine Absicht ist hier bescheidener und intendiert allein zu erklären, dass und inwieweit Fichte eine Letzbegründung des philosophischen Wissens in der Begriffsschrift zum Ziel hatte. 1- Fichte Pragmatist? Damit das Problem klar dargelegt wird, sollte zuerst und vor allem das erklärt werden, worauf Fichte dem Leser, am Anfang der Vorrede zur ersten Ausgabe der Begriffsschrift, warnte: ,,Die folgende Untersuchung hat auf keine andere Gültigkeit Anspruch zu machen, als auf eine hypothetische"4. Nun fragen wir: wieso ,,hypothetisch"? Heisst es, hätte Fichte zum Vorsatz gehabt, zu versichern, dass das Programm der Wissenschaftslehre5 einfach nur eine ,,Hypothese" wäre? Oder hätte er anders gemeint, nämlich dass, gegenüber den ,,Skeptiker" (bzw. Schulze und Maimon, u.a.)6, der Gang des Argumentierens hypothetisch, mithin mit Vorsicht ausgeführt werden sollte? Anders ausgesagt: erlaubt uns die sogennante ,,Begriffsschrift" zu behaupten, dass Fichte zu jener ersten Zeiten seines Denkganges keine Letzbegründung gesucht hat, bzw. dass Fichte dann in der Tat ein ,,Antifoundationalist" gewesen ist? Rockmore scheint zu denken, der Antwort zu dieser Frage ,,ja" sei; er verteidigt nämlich die Idee, dass Fichtes Rekurs auf die Unbeweisbarkeit zum ersten Prinzip einen guten Grund dafür gibt7. Unserer Meinung nach stimmt das nicht mit den Texten überein, noch mit dem sogenannten ,,Geist" der ganze Diskussion der Epoche, an der Fichte mit seinen ersten Entwürfen der WL Anteil nimmt8. Sein mit der WL von 1794/1795 zeitgenössischen Brief vom 28. 04. 1795 an Reinhold, z. B., ist schon offensichtlich eine optimale Gegenprobe zum Ansatz von Rockmore9. Es gibt aber auch andere Gründe dagegen. Die Begriffschrift selbst ist doch eben einen Text, trotz der Bemühungen von der Rockmore-Interpretation, worin sich gerade das Gegenteil von dieser neueren ,,pragmatischen" These ersehen lässt. Schon in der ersten Vorrede treten noch andere interessante Züge auf. 2- Fichte über Kant und die Skeptiker. Vor allem gesteht Fichte er wurde ,,durch das Lesen neuer Skeptiker" -- besonders Schulze und Maimon -- völlig davon überzeugt, ,,dass die Philosophie...noch nicht zum Range einer evidenten Wissenschaft erhoben sey"10; was eine skeptische Festellung einschliesst, nämlich, dass Kant in der Wahrheit ,,den sicheren Gang einer Wissenschaft" für die Metaphysik keineswegs gefunden hätte. Eine Feststellung, die andere Gegner Kants am liebsten machen möchten haben. Darum erinnert dieses an andere Fichte'sche Festellung in der Recension: der Reinhold'sche Prinzip des Bewusstseins sei keinen absolut ersten Grund alles Wissens, sondern einen Prinzip zum theoretischen Vermögen allein. Schlag Reinhold vor, die unzähligen Einwände zur Kantischen Philosophie (bzw. die den Streit um das Ding an sich betreffenden) werden behoben durch die Konstruktion eines auf einem lezten evidenten Prinzip beruhenden Systems, so stimmt Fichte mit ihm überein; stimmte er aber nicht damit überein, dass es Reinhold das Aufbauen dieses Systems gelungen wäre. Beides stellt dann fest, wie später Schelling, Kant habe nur eine Propedeutik zum System; allein nicht das System selbst aufgebaut. Das System selbst wäre noch ein zu Konstruierenden. Wohl deswegen glaubte Fichte zu dieser Zeit ,,den Grund davon gefunden, und einen leichten Weg entdeckt zu haben, alle jene gar sehr gegründeten Anforderungen der Skeptiker an die Kritische Philosophie vollkommen zu befriedigen..."11. Dies alles kann den Eindruck provozieren, als ob Fichte eine Art von Skeptiker sui generis wäre, oder als ob er gegen Kant wäre. Ich denke, dass es keine Stelle im Text oder in den anderen vorigen und späteren Schriften gibt, wo Fichte für irgendeine Art von Skeptizismus wäre: Er akzeptierte nur, dass einige skeptischen Einwände mit Recht erhoben worden sind. Hinsichtlich Kants aber gebe ich zu, Fichte ist manchmal zweideutig. Noch in dieser ersten Vorrede sagt, z.B., dass er ,,bis jetzt innig überzeugt" ist, ,,dass kein menschlicher Verstand weiter als bis zu der Grenze vordringen könne, an der Kant...gestanden..."12. Aber er sagt unmittelbar hinzu, dass Kant diese Grenze ,,uns nie bestimmt, und als die letzte Grenze des menschlichen Wissens angegeben hat"13. Obwohl Fichte im folgenden Satz aussagt ,,dass er nie etwas wird sagen können, worauf nicht schon Kant unmittelbar oder mittelbar, deutlicher oder dunkler gedeutet habe", bekommt den Leser den Eindruck, dass Kant uns im Grunde die Grenzen des menschlichen Wissens keineswegs zufriedenstellend erklärt hat: Dass seine Bemühung unbestimmt geblieben wäre, und dass er nur die Problematik und die Grundfrage aufstellen konnte. Inwieweit wäre Fichte auf diese Weise ein Kritischer Philosoph im Kantischen Sinne ist gerade deshalb problemmatisch14. Besonders wenn man die oben zitierten Stellen der Begriffsschrift in Vergleich zur Erste Einleitung zur WL (1797)15 zieht. 3- Fichte und die Notwendigkeit einer Letzbegründung. Die innere Struktur des Textes wird dazu geführt, das Programm eines endgültigen Systems zu konstruieren. Wenn man z.B. den in der 1798 erschienenen Ausgabe abwesenden dritten Abschnitt der Begriffsschrift, nämlich die früher genannte ,,Hypothetische Eintheilung der Wissenschaftslehre" ausser Acht lassen16, dann können wir den Text mindestens in drei Teilen zergliedern. Diese Teile könnten wie beim folgenden definiert, beschränkt und betrachtet werden: der erste, als die zwei Vorreden mit dem ersten Abschnitt, (§§ 1-2), worin die ganze Problematik der WL in Verhältnis zur philosophischen Streitigkeiten der Epoche, wie z.B. zur Reinhold'schen Problemstellung zur Notwendigkeit eines auf einem ersten Prinzip beruhenden Systems dargestellt werden; der zweite, als den dritten Absatz (§3), schon im zweiten Abschnitt, wobei das im Prinzip erforderte Programm zu einer ausreichenden Exposition und Lösung der in ersten und zweiten Absätzen aufgestellte Probleme als eine systematische Reihe von vier Fragen umformuliert wird; und zuletzt der dritte, als die noch im zweiten Abschnitt übrigbleibenden Absätze (§§4,5,6,7), welche die vier genannten Fragen versuchen zu beantworten. Es muss trotzdem anerkannt werden, dass Rockmore diese Meinung (Fichte wäre in der Tat ein ,,Antifoundationalist") besonders als für 1794/1799 gültig betrachtet, und dass sie dann hauptsächlich in Bezug auf die Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre (1794-5) gehalten wird17. In diesem Sinne hätte sie scheinbar nichts mit der oben geäusserten Hauptabsicht unseres vorliegenden Textes zu tun. Aber anderseits muss man sich daran erinnern, dass Rockmore selbst bei der Begründung seiner These an die Begrifsschrift appelliert.- Und deswegen hat diese vorliegende Diskussion mit Rockmore eine spezifische Relevanz für die Interpretation zur Begriffsschrift. Hinsichtlich des epistemischen Grundzuges der WL, versucht Rockmore darauf hinzuweisen, dass Fichte kein ,,foundationalist" (,,Letzbegründer") sei, sondern dass er vielmehr dagegen argumentiere; durch eine ,,hypothesis introduced for explanatory purposes that cannot be verified through experience of any kind, including intellectual intuition, since it is prior to experience... The Cogito that functions as the foundation in the Cartesian theory is not a mere conceptual posit or inference, but rather directly given in consciousness... Yet there is no such foundation in the Fichtean theory...despite what Fichte or his interpreters may think [?!], there is a basic distinction between hypothesis, of even the most reasonable or useful kind, on the one hand, and the very idea of a foundation that can be function as a basis for apodictic knowledge on the other... In his writings of this period, Fichte is explicit in claiming that philosophy, including his philosophy, is necessarily hypothetical. See 'Concerning the Concept of the Wissenschaftslehre'[!?]..."18. Nun aber, unabhängig davon, ob Rockmores Lesen von Descartes richtig oder nicht ist, und davon, ob Fichtes eventuell vielmehr von einer ,,intelectuellen Anschaung"19 des absolut ersten Prinzips spricht oder nicht, haben wir zumindest eine Tatsache: Fichte spricht hypothetisch allein dadurch, dass er die Wissenschaft selbst noch nicht zustande kommen liess, sondern nur das ,,Programm" einer ,,neuen" Wissenschaft darstellen will, die wiederum den Anspruch darauf macht, die Wissenschaft der Wissenschaft, die Wissenschaft aller Wissenschaft zu sein; also ein gewissermassen meta-philosophisches Programm20. Also bevor man sich dafür oder dagegen entschlossen zu haben, ob es Wissenschaft überhaupt gibt; bevor man die intendierte WL noch nicht entwickelt hat, indem das System noch nicht ausgeführt worden ist, muss man a fortiori progammatisch reden, d.h. ,,ideell", als ob das Gesagte ,,hypothetisch" wäre . Als ob wir, nachdem ein Ziel im Kopfe festgehalten hätten, sollten noch das Mittel darauf finden, d.h. die Bedingungen zur Erreichung dieses intendierten Zieles21. Das heisst aber nicht, dass die ganze WL allein und bloss hypothetisch sei. Der zentrale Denkgang Fichtes kann etwa wie beim folgenden rekonstruiert: Wenn es Wissenschaft gibt, dann soll sie unter gewissen Bedingungen existieren (i.e. der Möglichkeit nach real sein); gibt es aber Wissenschaft, so gibt es ein Wissen, eine Wissenschaft von diesen gewissen Bedingungen. Ist es so, dann soll es als Wissenschaft der Wissenschaft, als die Lehre der Wissenschaftlichkeit überhaupt betrachtet werden, da sie auf jeden Fall ein Wissen aller prinzipiellen Hauptbedingungen vom Wissen überhaupt sein soll.- Bisher ist Fichte vielleicht ein Kantianer. Nun gibt es aber diese Wissenschaft für uns noch nicht und wissen wir also noch nicht ob das Ziel eigentlich ein wirklich realisierbares ist. Deswegen stellt sich von selbst die Frage auf: gibt es wirklich Wissenschaft, reales Wissen als solches oder nicht? Da wir offensichtlich beim Philosophieren mit keiner kontigenten Tatsache - den Skeptikern gegenüber - anfangen dürfen, nämlich wir dürfen nicht voraussetzen, dass es eigentlich Wissen und Wissenschaft gäbe, dann sollten wir einen verschiedenen Weg einschlagen. Indem aber die Wissenschaft überhaupt, wenn sie existiert, notwendigerweise ein System sein soll (sowohl für Fichte wie auch für die ganze sogenannte Aetas Kantiana), und dann die Wissenschaft der Wissenschaft ein System aller Wissenschaften sein sollte, stehen wir tatsächlich an einem Kreuzweg, an einer Aporia; wir sind vor zwei Grundmöglichkeiten: entweder gibt es wirkliches Wissen oder nicht. Die philosophisch begründete Antwort zu dieser, sozusagen, isostheneia, schliesst die Frage nach der Wissenschaftlichkeit schon als erfolgreich beantwortet zu haben ein. Genau deswegen sollten wir eine Art von Gedankenexperiment anstellen, und demnach sagen: wenn es Wissen wirklich, und damit die reale Möglichkeit eines (reflexiven) Wissens des Wissens überhaupt gäbe, welches auch ein System, wie bei einer jeden besonderen Wissenschaft und Wissen, wäre, dann: unter welchen Bedingungen könnten wir dieses System konstruieren? Unter welchen Bedingungen könnte die Idee eines solchen Systems realisiert werden? Dies macht im Grunde das von Fichte Gefragte und Gemeinte aus, als er ,,allein hypothetisch" zu sprechen schien. Was ebenso deshalb nicht heisst, dass Fichte sein ganzes Unternehmen als bloss ,,hypothetisch" überhaupt betrachtet hat; wie man unmittelbar der Vorrede der Begriffsschrift entnehmen kann: ,,Die folgende Untersuchung hat auf keine andere Gültigkeit Anspruch zu machen, als auf eine hypothetische. Daraus aber folgt gar nicht, dass der Verfasser seinen Behauptungen überhaupt nicht anderes, als unerwiesene Voraussetzungen zum Grunde legen vermöge; und dass sie nicht dennoch die Resultate eines tiefer gehenden und festen Systems seyn sollten"22. Nun aber: Wie die Behauptungen des Verfassers etwas Anderes als ,,unerwiesene Voraussetzungen", also ohne fester Grund, sein könnten, sollten sie nicht ,,die Resultate eines tiefer gehenden und festen Systems seyn"? Und wie könnte jemand von einem ,,festen System" reden, ohne im voraus die Notwendigkeit einer Letzbegründung schon gewissermassen angenommen zu haben? Das ist im Grunde die grosse Schwierigkeit der Rockmore'schen Deutung: Fichtes Begriffsschrift beweist nicht seinen Ansatz, sondern widerlegt ihn. Rockmore scheint zu denken, es sei ausreichend festzustellen, dass Fichte die Unmöglichkeit einer deduktiven Beweisführung zum ersten unbedingten Prinzip durch eine ,,circular strategy" verteidigte, um davon abzuleiten, dass Fichte keine Letzbegründung zum Vorsatz hatte23. Jedoch wir könnten gerade das Gegenteil davon ableiten, nämlich dass die Fichtesche Letzbegründung sowohl in dem Beweis zur Unmöglichkeit einer deduktiven Beweisführung des ersten Prinzips der WL wie auch in dem indirekt erreichenden Schluss zum Prinzip selbst als notwendigerweise unerlässlich bestehe24. Wenn Fichte keine Letzbegründung zum Vorsatz gehabt hätte, warum hätte er von einem ,,absolut ersten Prinzip" zum System geredet? Wie hat Fichte über dieses absolut erste Prinzip sprechen und suchen können, ohne zuerst, d.h. ,,a priori", die Möglichkeit einer durchgängigen Letzbegründung seines ganzen Systems von diesem unerlässlichen Prinzip ab vorausgesetzt zu haben? Es kann nicht dabei helfen, zu sagen, dass Fichte sich in der ,,Jena WL" zu einer ,,sistematic science without a foundation" verpflichtet hätte25. Besonders weil den dazu als aufgestützenden zitierten Text, nämlich den Begriffsschrift selbst, verrat gerade das Gegenteil: dass Fichte im Grunde mit einer Kantischen Auffassung des Systems verpflichtet war, nach der nur die Einheit von zusammenhängenden Erkenntnissen aus einem Prinzip das wissenschaftliche Erkennen konstituiert26. Übrigens, ausser des schon oben Gesagtes, möchten wir letztlich sagen, wie Prof. Breazeale27, dass die kreisläufige Strategie vom Fichte'schen Argumentieren, insbesondere in seinem ,,Begriffsschrift", für uns mit der Möglichkeit einer Letzbegründung durchaus verträglich ist. Damit bleibt ja noch das von Rockmore genannte Problem der intellektuellen Anschaung ganz offen28. Trotzdem wir können bei diesem Kontext versichern, vor allem hinsichtlich der Begriffsschrift, in der Fichte zumal mit Reinhold, Maimon und Schulze diskutiert, dass den Zugang zum absolut ersten Prinzip der WL durch eine Analyse von Bedingungen aus einer evidenten Tatsache des Bewusstseins gewonnen wird (z.B. ,,Ich weiss P")29. Doch diese letztere wird ja später durch Reflexion als efektiv seiend wiedererkennt. Hypothetisch ist allein die anfangende epistemische Voraussetzung, dass es Wissen überhaupt gäbe. Weil Fichte diese wiederum als nötig fand, indem er daran glaubte, damit der Satz ,,Ich weiss P" als für sich gültig genommen werden kann, sollte man zuallererst die reale Möglichkeit des Wissens überhaupt angenommen zu haben. Trotz alles, was hierüber gesagt worden ist, muss man zugestehen, dass die von Rockmore hervorgestellten Problematik des ,,Antifoundationalismus", zusammen mit den damit von ihm aus Fichtes früheren Werk erschliessenen Konsequenzen, wenn wörtlich dem Geist und dem Text des Fichtes nach auch nicht entsprechend sind, sollte aber zumindest als sehr wichtig und folgenreich für die gegenwärtigen Philosophie betrachtet werden. Wenn dies seine philosophische Absicht ausdrücken könne, hätte er sein Ziel von selbst und von Fichte ab zugleich wirklich erreicht. 1 Über den Begriff der Wissenschaftslehre - oder der sogenannte Philosophie (Jena, 1794), SW I, 29-81/GA I, 2, 107-163. 2 Von nun an zitiert als WL. 3 M. Gerten hat sich neuerdings dazu geäussert (Fichte-Studien 13 (1997), S. 173-189). 4 Sämtliche Werke [nunmehr zitiert als SW] (Hrsg. von I. H. Fichte. Berlin. 1845-1846), I, 30. 5 Nunmehr zitiert als ,,WL". 6 SW, I, 29: ,,Der Verfasser dieser Abhandlung wurde durch das Lesen neuer Skeptiker, besonders des Aenesidemus und der vortrefflichen Maimonschen Schriften völlig von dem überzeugt...dass die Philosophie, selbst durch die neuesten Bemühungen der scharfsinnigsten Männer, noch nicht zum Range einer evidenten Wissenschaft erhoben sey". Vg. dazu R.-P. Horstmann, Die Grenzen der Vernunft. Weiheim. 19952, 107ff. 7 Tom Rockmore, "Fichtean Circularity, Antifoundationalism and Groundless System", in: Idealistic Studies, V. 25, N. 1 (Winter 1995), 107-124. 8 Vgl. dazu Horstmann, op. cit., 49ff., 69ff., und besonders 104-130; siehe unseren Versuch O conceito de coisa em si no Idealismo Alemão[Der Begriff vom Dinge an sich im deutschen Idealismus]. Rio de Janeiro (Brasilien). 1997, 92-104; Daniel Breazeale, "Circles and Grounds in the Jena Wissenschaftslehre", in: Fichte: Historical Context and Contemporary Controversies. Ed. by D. Breazeale and T. Rockmore. Atlantic Highlands/NJ (USA).1993, apud Rockmore, op. cit., 117. Vgl. noch V. E. López Dominguez, La concepción fichteana del amor. Buenos Aires. 19822, 16f. 9 Siehe G. A. (Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Hrsg. von R. Lauth und H. Jacob. Stuttgart-Bad Cannstatt. 1962ff) III, 2, S. 314-315. Vgl. dazu noch die Recension, S.W. I, 5, 8, 10. Fichte spricht bei diesem Zusammenhange über den Zirkel, aber er drückt sich ganz anders aus als die bedenkliche Rockmore'sche Interpretation (vgl. a. a. O I, 11 u. 19-20). Vgl. Noch SW, I, 61-2, 72-3. 10 SW, I 29. 11 Ebenda. 12 Ebenda. 13 Ebenda. 14 Für diese Idee ist die Arbeit von B. Navarro, El desarrollo fichteano del Idealismo Trascendental de Kant, México: Fondo de Cultura Económica. 1971. 15 In der ,,Vorerinnerung" Fichte sagte, er wolle ,,sein Leben einer von Kant ganz unabhängigen Darstellung jener grossen Entdeckung zu widmen" (SW I, 419). Vgl. a.a.O., 419-21 und in der Zweite Einleitung, 6 (a.a.O., 468ff). 16 Vgl. dazu die Grundlage, Vorbericht zur ersten Auflage, SW I, 86ff. 17 Siehe Rockmore, op. cit., 114, 116 u. 118. Unserer Meinung nach funktioniert die These auch nicht im Feld der Grundlage (Vgl. Gerten, op. cit., s. 181). 18 A. a. O., 118-119 (unsere Hervorhebung). Die letzten zwei Sätze des zitierten Absatzes kommen aus einer Fussnote (n. 43) auf der Seite 119 (bzw. 124). 19 D. Henrich verteigdigte schon das Gegenteil, in einer Heidelberger Vorlesung aus dem Wintersemester 1965/66; nämlich, dass Fichte (wie Hegel und Schelling) von der Cartesianischen Evidenz unserer Selbstgewisstheit als Grund für alle anderen abzuleitenden Sätze ausgegangen sei. Vgl. dazu M. Frank, Eine Einführung in Schellings Philosophie. Frankfurt am Mein. 1985, S. 24. Über die Problematik der intellectuellen Anschauung siehe: A. Philonenko, "Die Intellektuelle Anschauung bei Fichte", S. 91ff. in: K. Hammacher (hrsg.), Der Transzendentale Gedanke. Hamburg. 1981, S. 91-106; F. Inciarte, Transzendentale Einbildungskraft. Bonn. 1970, 46ff., 55ff., 103ff.; W. Weischedel, Der Frühe Fichte. Stuttgart-Bad Cannstatt. 19732; R. F. Koch, Fichtes Theorie des Selbstbewwusstseins. Würzburg. 1989, S. 105ff. 20 Vgl. Grundlage der gesammten Wissenchaftslehre, Vorrede: ,,Ich glaubte, und glaube noch, den Weg entdeckt zu haben, auf welchem die Philosophie sich zum Range einer evidenten Wissenschaft erheben muss. Ich kündigte dies [im Begriffsschrift] bescheiden an, legte dar, wie ich nach dieser Idee gearbeitet haben würde, und fing an den Plan ins Werk zu setzen" (SW, I, 86) [unsere Hervorhebungen]. Vgl. noch die Begriffsschrift, SW, I, 30, 46-7. 21 Vgl. SW, I, 43-8. 22 S.W. I, 30 (die Hervorhebung gehört nicht Fichte). 23 Vgl. op. cit., 113ff. 24 Was man sich, trozt aller Unterschiede, ein bisschen an Aristoteles' Widerlegung des den Satz des Widerspruchs verneinenden Skeptikers in der Metaphysik ((, 4, 1006 a 28 - b 34) erinnern. 25 Rockmore, op. cit., 120. 26 S. Fichte, Begriffsschrift, §1, SW I, 38; Kant, Kritik der reinen Vernunft (nunmehr: K. der r. V.), A832/B860. Vgl. B24f., B27ff., A80ff./B106ff., A645/B673. 27 Apud Rockmore, S. 116f. 28 A. a. O., 117ff. 29 So sagt Fichte, z. B. in der Vorrede zur zweiten Ausgabe der Begriffsschrift, dass die WL ,,eine genetische Ableitung dessen, was in unserem Bewusstsein vorkommt..." sein muss (SW, I, 32). Rockmore scheint zu akzeptieren etwas Ähnliches in Ansehung darauf (a.a.O., S. 118), aber immer im Zusammenhange seiner Verteidigung des hypothetischen Charakters der WL. Wir denken ja, dass Fichtes Programm, als ,,Plan", wesentlich hypothetisch per se sei; aber denken noch dass das intendierte System, die WL, auch keine Hypothese an sich ist, sondern eine notwendige aus einer unbestreitbaren und keineswegs bloss hypothetischen Tatsache genetisch abgeleitete Struktur. Diese Struktur als Begrifflich ist aber zweideutig, indem sie zunächst sowohl das ganze vorgestellte, abgebildete System des menschlichen Wissen, die WL, als zugleich auch dann das ,,System" im menschlichen Wissen selbst, das Wissen im Geist selbst wie ein Organon (Vgl. Kant, K. der r. V. BXXXVII-VIII), sozusagen, meint, das manchmal als Tathandlung und absolutes Ich definiert wird. Als Gegenargument scheint deswegen unzufriedenstellend zu sein, zu versichern, allein die ,,Sprache" Fichtes ,,foundationalist" sei, nicht aber seine Strategie. 7